
Die Kunsthalle Brennabor in Brandenburg an der Havel befindet sich in einer der Produktionsetagen der historischen Brennaborwerke. Das zunächst mittelständige Unternehmen „Brennabor“ der Familie Reichstein hat Industriegeschichte geschrieben. Noch vor der Fertigung „vom Band“ wurden hier Kinderwagen und Fahrräder in Serie hergestellt. Mit diesem Produktionsverfahren begründete die ehemalige Korbmacherfamilie Reichstein ihr Vermögen und finanzierte den Ausbau der Brennaborwerke zum Industrieunternehmen. Ab 1890 wurden die Brennaborwerke zur größten Fahrradfabrik Deutschlands. In permanenter Erweiterung der Produktpalette wurden als erste motorisierte Fahrzeuge Motorräder, später
Automobile entwickelt. Mitte der zwanzi- ger Jahre stiegen die Brennaborwerke vorübergehend zum größten, deutschen Automobilhersteller auf: insgesamt wur- den rund 70000 Autos produzierten, von denen noch heute 60 Exemplare fahrbereit sind.
Nach Absatz- und Finanzierungsproblemen in den dreißiger Jahren musste die Familie Reichstein die Leitung der Brennaborwerke an die Banken abtreten. In den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Brennaborwerke in den Dienst der Rüstungsindustrie gestellt. Nach dem 2. Weltkrieg konnte man zur zivilen Produktion zurückkehren. In den stark zerstörten Werken wurden von 1948 bis 1965 Traktoren und Gabelstapler produziert. Obwohl in den Brennaborwerken seit über 40 Jahren keine Fahrzeuge mehr hergestellt werden, ist ihr Name in der langen und vielseitigen deutschen Industriegeschichte als eines der
erfolgreichen Pionierunternehmen fest verankert.
Nach dem Ende der industriellen Produktion, wird der in der Innenstadt von Brandenburg an der Havel gelegene Komplex der Brennaborwerke nach und nach renoviert und neu genutzt. Neben einem Café, Einzel- handelsgeschäften und dem Arbeitsamt ist auch das Stadtarchiv in die ehemaligen Werke eingezogen. Im Zuge erster Instandsetzungsarbeiten wurden 2000 auch Räume für Kunstausstellungen ausgebaut. Die künstlerische Betreuung der neu geschaffenen Kunsthalle Brennabor wurde dem Intendanten des Brandenburger Theaters, Christian Kneisel, übertragen.