Jürgen Böttcher stellt unter seinem Pseudonym STRAWALDE gerade Werke seines künstlerischen Schaffens in der Kunsthalle Brennabor aus. Doch ist er nicht nur Maler - in den siebziger und achtziger Jahren war er der mit Abstand bekannteste Dokumentarfilm-Regisseur der DDR. Von oben immer wieder angefeindet, gedemütigt und verboten, war Jürgen Böttcher bei Filmkennern im In- und Ausland umso beliebter. Nach dem Zusammenbruch der DDR war Böttcher der erste Dokumentarfilmer aus dem Osten, der in das Pantheon der nunmehr gesamtdeutschen Filmgeschichte aufgenommen wurde. 1992 erhielt er aus der Hand des Bundesinnenministers das „Filmband in Gold“ für sein Lebenswerk: die höchste Auszeichnung, die dieser Staat an Filmleute zu vergeben hat. Das Brandenburger Industriemuseum, das die Erhaltung, die Pflege und Präsentation des letzten Siemens-Martin-Ofens in den Mittelpunkt der Museumsarbeit gestellt hat, ist daher wohl der naheliegendste Ort, um 3 Kurzfilme Jürgen Böttchers zu präsentieren, die die alltäglichen Arbeiten in DDR-Stahlwerken dokumentieren.
OFENBAUER - DDR 1962, schwarz-weiß, 15 Minuten
Ein neuer Hochofen im Eisenhüttenkombinat - 2000 Tonnen schwer, 65 Meter hoch - wird 18 Meter an den Platz des ausgebrannten Ofens verschoben. Böttcher filmt nur am Rande die neue Technologie, ihn interessiert die Darstellung schwerer körperlicher Arbeit. In beeindruckenden Bildern zeigt er die Gesichter der Arbeiter, Konzentration, Anstrengung und die Präzision, mit der sie jeden Handgriff verrichten. Dieser Film wurde 1963 auf dem Leipziger Dokumentarfilmfestival mit der „Silbernen Taube“ ausgezeichnet.
Regie: Jürgen Böttcher Drehbuch: Jürgen Böttcher, Rolf Schnabel Kamera: Hans Dumke, Helmut Gerstmann, Christian Lehmann, Gerhard Münch, Walter Roßkopf Produziert vom DEFA-Studio für Dokumentarfilme
SILVESTER (am Hochofen) - DDR 1963, schwarz-weiß, 10 Minuten
Jürgen Böttchers zweiter Eisenhüttenstadt-Film!
Regie: Jürgen Böttcher Drehbuch: Jürgen Böttcher Sprecher: Manfred Krug Kommentar: Helmut Hauptmann Kamera: Christian Lehmann, Rudolf Schemmel, Hans Eberhard Leupold Ton: Hans-Jürgen Mittag, Otto Koch Musik: Kurt Grottke Produziert vom DEFA-Studio für Dokumentarfilme
RANGIERER - DDR 1984, schwarz-weiß, 22 Minuten
Jürgen Böttcher zeigt hier die alltäglichen Tätigkeiten auf dem größten Rangierbahnhof der DDR Dresden-Friedrichstadt. Geräusche erfüllen die Luft: Hämmern, die Schritte der Arbeiter auf Kies, Pfiffe, Rangiergeräusche. Kein Kommentar, keine Gespräche. Es gibt nichts zu sagen. Was den Männern wirklich wichtig ist, was sie wütend und was sie traurig macht, darüber können sie vor der Kamera ohnehin nicht frei reden.
Regie: Jürgen Böttcher Drehbuch: Jürgen Böttcher, Ulrich Eifler Kamera: Thomas Plenert Ton: Stefan Edler Produziert vom DEFA-Studio für Dokumentarfilme
Im Rahmen der Ausstellung STRAWALDE >>
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