
Um 1800
veranstaltete die Doebbelinsche Schauspielergesellschaft aus Berlin in Brandenburg an der Havel die ersten Theateraufführungen. Brandenburg war damals eine fast 900 Jahre alte Stadt - echt märkisch mit einer Bevölkerung aus Ackerbauern, Handwerkern und Händlern. Es war keine Fürstenresidenz, wohl aber eine sehr klerikale Stadt und beherbergte eine preußische Garnison, und zwar die friderizianische Lange Garde. Für deren Militärrevuen musste selbst das Wahrzeichen der Stadt, der Roland, weichen. In Brandenburg war der berühmt-berüchtigte „Geist von Potsdam“ genau so zu Hause, wie in seiner Namensstadt selbst. Theater gespielt wurde im unteren Flur des Rathauses, der am Tage der Garnison als Exerzierhalle diente, im „Gasthof zum weißen Hirsch“ und anderen gerade geeigneten Räumlichkeiten.
1815
Am 03. August wird in Brandenburg das erste relativ feste Theater, das Scheunen-Theater eröffnet. Ab jetzt wird in Brandenburg regelmäßig Sonntag, Montag, Donnerstag und Freitag gespielt. Dieses Theater entstand durch die Initiative des Zimmermeisters König und des Schauspieldirektors Breede. Zimmermeister König richtet für 300 Taler die Scheune auf seinem Grundstück in der damaligen Schützenstraße neben dem „Gasthof zum Stern“ als Theater her. Der erste Direktor des Theaters war bis Ende 1815 August Breede. Seine Brandenburger Theaterarbeit warb sehr schnell ein zahlreiches Publikum, so dass man auf ein größeres Unternehmen sinnen musste. Von der Ernsthaftigkeit solchen Theaterbeginns in Brandenburg zeugt auch, dass man sich sogar bemühte Opern zur Aufführung zu bringen.
1817
wird am 05. Oktober schließlich in Brandenburg das neu erbaute Stadttheater unter Breedes Direktion mit Schillers „Maria Stuart" eröffnet. Durch die Initiative des Bürgermeisters Pfitzer und des Stadtbaurats Thümen hatte sich 1816, gegen den Willen anderer Mitglieder des Stadtrates und anderer Beamter, eine Aktiengesellschaft zum Bau eines Stadttheaters gegründet. Dieser Bau wurde auf dem Grundstück des zu diesem Zweck abgetragenen St.-Elisabeth-Hospitals nach längeren Auseinandersetzungen errichtet.
Das neu eröffnete Stadttheater geriet sehr bald in finanzielle Schwierigkeiten - es bekam keinerlei staatliche Zuschüsse. Immer wieder in seiner frühen Geschichte hatte das Brandenburger Theater daher mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.
1824
Am 24. März bricht im Stadttheater nach der Abendvorstellung ein Großfeuer aus, dessen Ursachen nie richtig geklärt werden konnten. Zu dieser Zeit war Wilhelm Gerstel Direktor des Theaters. Er verlässt kurz nach dem Brand mit seiner Schauspieltruppe die Stadt Brandenburg.
1825
Von der Aktiengesellschaft wird der Schaden behoben, so dass am 14. August wieder eröffnet werden kann. Die Leitung des Hauses übernimmt im Sommer 1825 die Directrice der Posener Schauspiel- und Operngesellschaft und ehemalige Direktorin des Theaters in Frankfurt/Oder Caroline Leutner, die sich schon 1818/1819 in Brandenburg einen guten progressiven Ruf erworben hatte (Bereits zur Zeit Breedes bestanden rege Beziehungen zum Frankfurter Theater).
1829
löst sich die Aktiengesellschaft aufgrund der massiven Einnahmen-rückgänge auf. Das Theater wird von dem Zimmermeister Brendel und dem Maurermeister Lunitz für 3275 Taler gekauft, die das Theater an wechselnde Theaterdirektoren verpachteten. Bis zum Jahre 1862 wurde der Spielbetrieb, allerdings mit zahlreichen Unterbrechungen, aufrecht erhalten. Auch in dieser Zeit erhielt das Theater keinerlei Zuschüsse vom preußischen Staat. Die Schauspielgesellschaften befanden sich in permanenter finanzieller Not. Intendanten und Schauspieler lebten am Existenzminimum und waren teilweise hoch verschuldet.
1836
hat erstmals nach dem Tode Goethes im Jahre 1832 am 12. Dezember 1836 der „Faust“ in Brandenburg Premiere.
Trotz der nach wie vor schwierigen finanziellen Situation wurde in Brandenburg mit Stücken unter anderem von Schiller und Kleist („Der zerbrochene Krug“ ab dem 17.02.1839 und „Käthchen von Heilbronn“ ab dem 27.12.1850) niveauvolles Sprechtheater geboten. Auch anspruchsvolle Opern von Auber („Die Stumme von Portici“), Lortzing („Zar und Zimmermann“ und „Der Waffenschmied“) und Mozart wurden beispielsweise aufgeführt. Ab 1824 wurden die Weber-Opern „Der Freischütz“ und „Oberon“ gezeigt.
Um 1848
Mit dem Aufschwung einer bürgerlichen - demokratischen Bewegung in Deutschland wird auch in Preußen erneut über Theaterreformpläne diskutiert, die dem Theater endlich mehr Rechte und eine solide Finanzierung sichern sollten. Besonders bekannt geworden sind aus dieser Zeit die Landenbergschen Reformabsichten. Aber ähnlich wie die revolutionären Bestrebungen von 1848 im Sande verliefen, so wurden auch Landenbergs Pläne nie umgesetzt. Die Theatersituation änderte sich jedenfalls nicht wesentlich. Das Schauspielhaus, wirtschaftlich ruiniert und künstlerisch auf nicht mehr besonders hohem Niveau, ging seiner erstmaligen kompletten Schließung entgegen. Ab 1853 bis zur Schließung des Hauses verpachteten die privaten Besitzer an alle Zahlungsfähigen wie Bauchredner, Wahrsager, Zauberer und Tierbändiger. Klassisches Theater wurde kaum noch geboten.