
1879
übernimmt Emil Schirmer nochmals die Direktion des Sommertheaters. In seiner zweiten Amtszeit gelang es Schirmer zunehmend, das Publikum an klassische Dramatik heranzuführen, die stets vor ausverkauftem Hause gespielt wurde, was vorher nur der Operette vorbehalten war.
1881
übernimmt Heinrich Hohl die Intendantschaft des Sommertheaters, während er im Winter Direktor am Theater von Ulm war. Seine erste Amtszeit dauerte bis 1891.
Heinrich Hohl engagierte für die Sommerspielzeit in Brandenburg ein festes Ensemble, das von seiner Qualität her alle Bühnenwerke - inklusive Spielopern und Operetten - ohne die Heranziehung von Gästen aufführen konnte. Seine blonde Tochter, Gretchen Hohl, avancierte unter seiner Intendanz zu einem gefeierten Schauspielstar in Brandenburg.
1892
setzt Direktor Corneck diese Entwicklung fort. Sein Repertoire wird fast ausschließlich von der großen Oper und der klassischen Dramatik bestimmt. Den größten Publikumserfolg hatte Schillers „Die Jungfrau von Orleans“. Schillers „Die Räuber“ war mit dem Gastschauspieler Joseph Kainz sogar mit einem der besten Schauspieler Europas besetzt.
1897
kehrt Heinrich Hohl für eine bis 1900 andauernde zweite Amtszeit als Intendant des Brandenburger Sommertheaters zurück.
1901
tritt der künstlerisch progressive und zugleich sehr geschäftstüchtige Intendant Steingötter für vier Jahre seine Brandenburger Sommertheaterdirektion an. Während seiner Tätigkeit wurde der künstlerische Höhepunkt des Sommertheaters erreicht. Er schaffte in seiner ersten Spielzeit an 110 Tagen 123 Aufführungen. Die Klassiker ließ er in seinem Repertoire bewusst fehlen. Seine ganze Aufmerksamkeit galt dem Gegenwartstheater. Zum ersten Mal wurden in seinem Theater literarische Matineen mit Werken von Ibsen, Björnson, Hauptmann, Sudermann, Fulda und Gorki („Nachtasyl“) zur Aufführung gebracht. Mit seinen Matineen schaffte er es, das Publikum für die späteren Aufführungen zu interessieren. In den ersten beiden Spielzeiten waren Scribes „Ein Glas Wasser“, Ibsens „Rosmersholm“ und sein „Wenn die Toten erwachen“ sowie Schillers „Wilhelm Tell“ und seine „Räuber“ und schließlich Hebbels „Maria Magdalena“ die größten Publikumserfolge. Steingötter verlangte sowohl von seinen Schauspielern als auch von seinen Regisseuren fast unmenschliche Leistungen. So ließ er beispielsweise innerhalb von drei Tagen drei neue Stücke einstudieren und die Schauspieler und Regisseure mussten häufig an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gehen.
1902
Zum großen Ereignis des Jahres wird das Gastspiel der Königlichen Hofschauspiele Berlin mit Goethes „Iphigenie auf Tauris“ im Brandenburger Sommertheater. Es spielten Amanda Lindner die Iphigenie, der berühmte Adalbert Matkowsky den Orest, in den anderen Rollen Albert Hübner, Roderich Arndt und Paul Pauly.
1904
stehen auf dem Repertoire Steingötters - neben drei Werken von Schiller - Werke von Halbe, Sudermann, Hauptmann, Ibsen und Gorki mit dem gerade erst in Deutschland bekannt gewordenen „Nachtasyl“.
Nach Differenzen mit den Brandenburger „Stadtvätern“ löste Steingötter am Ende der Spielzeit 1904 vorzeitig seinen Pachtvertrag. Er übernahm die Direktion der Stadttheater in Marburg und Gießen.
Steingötters großer Verdienst um das Brandenburger Theater bleibt, dass er durch seine kluge Arbeit mit dem Publikum und durch die Kenntnis seines Publikums neben der neu erschlossenen klassischen Dramatik dem großen kritisch - realistischen und auch dem naturalistischen Drama in Brandenburg zum Durchbruch verholfen hat.
Mit Steingötters Abgang war die Ära des bedeutungsvollen Brandenburger Sommertheaters beendet.
Das Sommertheater hatte seine Glanzzeit, als Brandenburg zur bedeutenden Industriestadt avancierte. Das Theater hatte 580 Sitz - und 120 Stehplätze. An vielen Tagen war es voll besetzt und warf finanziellen Gewinn ab. Die ca. 19 Theaterdirektoren waren kluge Rechner, denn Zuschüsse gab es zu keiner Zeit des Bestehens des Sommertheaters. Die Pacht, die Darsteller, das technische Personal, das Orchester (meist eine in hiesiger Garnison stationierte Militärkapelle), die Kostüme und Bühnenausstattung verursachten Kosten, die im richtigen Verhältnis zu den zu erwartenden Einnahmen stehen mussten. 57 Jahre lang, von 1855 bis 1912, wurde die Bühne des Brandenburger Sommertheaters bespielt. In den ca. 7000 Vorstellungen - mit im Durchschnitt angenommenen 400 Zuschauern pro Vorstellung - ergibt das eine Zahl von insgesamt 2 800 000 Besuchern. Im Jahr 1909 wurde das „Neue Theater“ als Winterbühne in der Blumenstraße eröffnet. Das Gebäude auf Ahlerts Berg war daraufhin dem Verfall preisgegeben und schloss 1912 seine Pforten für immer. Nach seinem Abriss entstand auf dem Areal das Marien-Krankenhaus.