
1909
wurde am 16. Oktober das zweite feste Stadttheater mit Schillers „Die Braut von Messina“ in dem neu hergerichteten ehemaligen Apollo-Theater eröffnet.
Das Apollo-Theater war ursprünglich ein Varietee- und Tanzlokal mit dem Eingang in der Werderstraße 35. Der ehemalige Besitzer des Apollo-Theaters hatte 1900 auf dem Hof des Grundstückes einen Tanzsaal erbauen lassen. Dieser Tanzsaal wurde 1909 dann für den Spielbetrieb eines Theaters umgebaut und diente ab seiner Eröffnung am 16. Oktober 1909 als neue Spielstätte für die Winterbühne, die zunächst „Neues Theater“ hieß. Den Haupteingang des Theaters bildete nunmehr eine Toreinfahrt des Hauses Blumenstraße 15. Die Besucher gelangten über den Hof in ihren Musentempel, weshalb sie ihn scherzhaft als „Hoftheater“ bezeichneten.
Rudolf Frenzel, der bereits seit 1905 das Sommertheater als Intendant geleitet hatte, übernahm auch die Direktion des Wintertheaters.
Frenzel musste 1911/1912 Konkurs anmelden, da er sich verkalkuliert hatte: Zunächst versuchte er dem Publikum niveauvolle Aufführungen zu bieten, später dominierte die leichte Operette. Aber auch diese brachte nicht die erhofften vollen Häuser.
1912
benennt sich das Theater in der Blumenstraße wieder in „Stadttheater“ um und blieb bis 1944 an diesem Ort.
Intendant wurde Ferdinand Skuhra, der erstmals in der Theatergeschichte von der Stadt einen Zuschuss erhielt, der allerdings sehr gering war.
Skuhra engagierte ein 70 Mitglieder starkes Ensemble, das ein qualitativ hochwertiges Theater bot. Er verstand Theater als Bildungsstätte und Ort der geistigen Erholung und Anregung, insbesondere für die Jugend.
Unter der Intendanz Skuhras wurde in Zusammenarbeit mit dem Arbeiterbildungsausschuss in Brandenburg im Herbst 1913 eine „Theatergemeinschaft der organisierten Arbeiter“ gebildet.
Die hieraus resultierenden gesenkten Eintrittspreise ermöglichten den Arbeitern erst den Besuch des Theaters. Auch die Direktion kam auf ihre Kosten, da die Theatergemeinschaft volle Häuser garantierte.
Aber all das reichte nicht aus, um den Theaterbetrieb rentabel zu gestalten.
1914
bricht am 01. August der erste Weltkrieg aus. Das Interesse der Stadt am Theater ist daher eher gering. Die Industrie steht demgegenüber im Mittelpunkt des Interesses.
Nach Ausbruch des I. Weltkrieges erhielten die deutschen Theaterleiter von den Militärkommandanten die Aufforderung, für die Theaterbesucher neben „vaterländischen“ Produkten viel leichte Unterhaltungskost auf die Bretter zu bringen.
Skuhra verstand es die Kriegskonjunktur auszunutzen, und bot dem Publikum leichte Theaterkost an. Da Tanzveranstaltungen verboten waren, besuchten die Leute gern das Theater. Skuhra hatte somit immer ein volles Haus und konnte, als er im letzten Kriegswinter 1917 Brandenburg verließ, als erster Intendant des Theaters mit einem erheblich Gewinn seine Amtszeit abschließen.
1918
übernimmt Paul Ceblin, der bereits unter Skuhra als Komiker erfolgreich gewirkt hatte, die Leitung des Brandenburger Theaters.
Der Spielplan veränderte sich bald merklich. Zwar dominierten meist noch die Operetten, doch gab es auch viele Opern (z.B. „Troubadour“, „La Traviata“, „Carmen“, „Hoffmans Erzählungen“, „Mignon“, „Postillon von Lonjumeau“, „Zar und Zimmermann“) und gute Schauspielaufführungen.
Ceblin engagierte auch wieder auswärtige Künstler zu Gastspielen.
Mit der Beendigung des Krieges ließ der Besuch des Theaters wieder nach, Direktor Ceblin experimentierte.
1919
versuchte er es mit Freilichtaufführungen, hatte aber bei der ersten Vorstellung, Pfingsten 1919, auf dem Sportpark in der Wilhelmsdorfer Landstraße Pech. Die Zuschauer rebellierten, weil das Gelände sich als ungeeignet erwies und die Sitzplätze ohne jede Erhöhung angeordnet waren, so dass bereits die Besucher der mittleren Plätze keine Sicht zur Bühne hatten. Paul Ceblin pachtete bald darauf den früheren Tanzsaal „Hohenzollernpark“, der in der Jacobstraße an der Stelle des Durchbruchs zum Trauerberg stand, um dort Varietee- und Kinovorstellungen durchzuführen.
1920
Am 03. April 1920 wurde das Unternehmen die „Schaubühne“ eröffnet. Gelegentlich traten auch Sänger und Schauspieler des Stadttheaters dort auf. Die Anstrengungen, so große Gewinne aus der „Schaubühne“ herauszuwirtschaften, dass der Theaterhaushalt gestützt werden konnte und noch ein Überschuss verblieb, schien trotz aller Bemühungen fehlgeschlagen zu sein.
1921
Im Sommer 1921 verließ Paul Ceblin Brandenburg, um die Direktion eines Operettentheaters in Essen zu übernehmen.
Die „Schaubühne“ wurde als „Alhambra – Lichtspiele“ weitergeführt, und die Leitung des Stadttheaters übernahm im Oktober 1921 Lia Meyersieden-Genesius.