Theater
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1922 bis 1935


1922
annonciert der „Brandenburger Anzeiger“ vom 02. Oktober die „Eröffnung der Winterspielzeit im Stadttheater“ und blickt auf die Spielzeit 1921/1922, dem Beginn der Intendanz von Frau Meyersieden-Genesius, zurück: „An rund 300 Spieltagen wurden etwa 75 Stücke aller Art aufgeführt, so dass durchschnittlich jedes Stück viermal gegeben wurde“. Darunter befanden sich 17 Bühnenwerke der damaligen Gegenwartsdramatik. Damit wollte Frau Meyersieden-Genesius vor allem Arbeiter für das Theater gewinnen.
Ein bedeutendes Ereignis in dieser Periode war die Gründung der „Freien Volksbühne e.V., Brandenburg/Havel, Mitglied des Verbandes der deutschen Volksbühnenvereine“. Am 09., 16., 23. und 30. Oktober 1922 fanden die ersten Vorstellungen für die vier Abteilungen der Volksbühne mit Gerhart Hauptmanns Schauspiel „Die versunkene Glocke“ statt.
Im Vorstand der Volksbühne erwarben sich Erich Hüttner, Adam Bär und Erich Schulz und im künstlerischen Beirat Karl Lühnsdorf besondere Verdienste. Für die Mitglieder der Freien Volksbühne wurden viele Werke von Bernhard Shaw, Gerhard Hautmann, aber auch von Frank Wedekind, Ludwig Thoma und Karl Zuckmayer gespielt. Als Höhepunkt galten die Aufführungen von Ernst Tollers „Hinkemann“ mit Alfred Beierle vom Deutschen Theater in Berlin als Gast und von Raynauld „Das Grabmal des unbekannten Soldaten“. Trotz der vielen Impulse, die die Volksbühne dem Brandenburger Stadttheater gab, war sie nicht in der Lage, den finanziellen Zusammenbruch des Theaterbetriebes 1923 und 1931 zu verhindern.


1923
strebt die Inflation ihrem Höhepunkt zu. Das Ende der Spielzeit brachte den völligen finanziellen Zusammenbruch des Stadttheaters. Im Inflationsjahr 1923 mussten die Künstler fast ohne Einkommen leben, weil ihre Gagen schon bei der Auszahlung durch das ständige rapide Sinken der Deutschen Mark praktisch nur noch „Altpapierwert“ besaßen. Sie demonstrierten mehrmals dagegen und forderten auf offener Bühne die Anpassung der Gagen an den jeweiligen Währungsstand der Mark. Die Intendanz konnte diese Forderung nicht erfüllen, und so löste sich das Theaterensemble allmählich auf. Am 16. September 1923 gab Frau Meyersieden-Genesius mit den wenigen noch verbliebenen Schauspielern ihre Abschiedsvorstellung. Drei Monate ruhte der Spielbetrieb des Theaters in der Blumenstraße. Erst am 25. Dezember 1923 fand das erste Gastspiel des Potsdamer Schauspielhauses statt. In dieser Zeit - also nach der Stabilisierung der Mark - gab auch die Direktion Meyersieden-Genesius gelegentlich wieder Vorstellungen zu niedrigen Preisen.


1924
wurde im Herbst das Brandenburger Stadttheater reorganisiert und Wolf Leutheiser als Intendant eingesetzt.
Zur Aufführung gelangten viele Werke der klassischen Dichter, wobei zeitgenössische Theaterstücke nicht vernachlässigt wurden.
Gerhard Hauptmann und besonders Bernhard Shaw traten im Spielplan stark hervor, auch Werke von Alfred Klabund („Kreidekreis“), Franz Werfel („Schweiger“) und anderer talentierter junger Schriftsteller gelangten zur Aufführung. Operetten wurden ebenfalls in größerer Zahl gegeben, dabei dominierten zunächst die „Altmeister“ Offenbach, Suppé und Strauß sowie von den jüngeren Komponisten Lehár und Kálmán.
Auch Opernfreunde kamen auf ihre Kosten: Es gelangten u.a. „Carmen“, „Tiefland“, „Der Freischütz“, „Tosca“, „Martha“, „Troubadour“, „Zar und Zimmermann“, „Der Waffenschmied“ und „Hoffmanns Erzählungen“ zur Aufführung. Außerdem fand eine Reihe von Sinfoniekonzerten statt.


1927/1928
In der Spielzeit 1927/1928 sanken das Niveau des Spielplans und die Qualität der Aufführungen merklich. Hauptsächlich aus finanziellen Gründen ging Wolf Leutheiser dazu über, dem Theaterpublikum leichte und oft auch seichte Kost zu bieten.
Dem äußeren Anschein nach mussten sich die Positionen der Volksbühne zu dieser Zeit wesentlich verstärkt haben, denn sie wurde in diesem Zeitraum im Zuge einer Umbildung des Brandenburger Stadttheaters zu einer GmbH und als solche Mitgesellschafter des Theaterbetriebes.


1928/1929
führte das Theater den schönen langen Namen: „Brandenburger Stadttheater, Gemeinnützige GmbH, Intendant Wolf Leutheiser“.
Als die Weltwirtschaftskrise ausbrach, und das Heer der Arbeitlosen immer größer wurde, spielte das Stadttheater nur noch gelegentlich.


1931/1932
bezogen die Künstler der Bühne fast ausnahmslos Erwerbslosenunterstützung und wurden nur hin und wieder für bestimmte Vorstellungen vom Arbeitsamt geordert.
Die Leitung des Stadttheaters in dieser schweren Zeit lag wieder in den Händen von Lia Meyersieden-Genesius.


1933
Nach der Machtübernahme des Hitler-Regimes, blieben die Theaterverhältnisse längere Zeit hindurch unverändert.
Erst als die Rüstungsindustrie allmählich in Gang kam und die nationalsozialistische Propagandamaschine mehr und mehr die Kultur- und Bildungsstätten für ihre Ziele einsetzte, wurden die Theater ebenfalls zur Umsetzung der nationalsozialistischen Ideologie missbraucht.


1935
begann auch in Brandenburg unter Leitung des Intendanten Rudolf Hartig wieder ein geregelter Theaterbetrieb.



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Das Brandenburger Theater wird mit Fördermitteln des Landes Brandenburg und der Stadt Brandenburg/Havel finanziert.