
1939
Intendant Siegfried Kohrt übernahm die Leitung des Brandenburger Stadttheaters mit Beginn des 2. Weltkrieges. Er bekam deshalb vom Propaganda-Ministerium die Weisung, vorwiegend leichte und heitere Theaterstücke aufzuführen.
1942
wurde die Spielzeit, die sonst bereits im April beendet worden war, bis zum 30. Juni verlängert. Bald darauf hemmten jedoch die ständigen Luftangriffe den Spielbetrieb des Theaters und brachten ihn fast zum Erliegen.
1944
ergeht am 16. September der Befehl von Minister Goebbels, in Folge des von den Nationalsozialisten ausgerufenen „Totalen Krieges“ alle deutschen Theater zu schließen. Auch das Brandenburger Stadttheater wird geschlossen.
1945
wird das Brandenburger Stadttheater in der Blumenstraße im April zerstört.
Schon bald nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches begann auch eine neue Epoche der Brandenburger Theatergeschichte. Die in der Stadt verbliebenen oder wieder heimgekehrten Theaterleute begannen mit Hilfe der Stadtverwaltung ihre Wiederaufbau- und Neuaufbauarbeit. Spielleiter Wolfgang Winter und der Oberspielleiter und Dramaturg Dr. Wolrad Rube ergriffen die erste Initiative. Alfred Kert übernahm die Leitung des Schauspiels, Wolfgang Winter die Leitung der Operetten- und Kleinkunstbühne und Kapellmeister Karl Knübel-Bardenfleet wurde der Leiter des Stadtorchesters. Schließlich wurde Oberspielleiter Heinz Schien mit der künstlerischen Gesamtleitung des neuen Unternehmens beauftragt. Ab dem 01. August 1945 wird in Brandenburg wieder Theater gespielt. Das Ensemble hatte zu diesem Zeitpunkt - ohne das Stadtorchester - die beachtliche Gesamtstärke von 46 Mitgliedern. Als Nottheater diente die ehemalige Stadthalle in der Grabenstraße und die „Adler-„ bzw. „Bismarck-Terrassen“. Der erste Spielplan 1945/1946 brachte 11 Schauspiele in 67 Vorstellungen. Darunter Hays „Der Gerichtstag“, Shakespeares „Was ihr wollt“, Hebbels „Maria Magdalena“ und Hauptmanns „Der Biberpelz“. Weitere 8 Operetten, 4 Märchen und 87 Sonderveranstaltungen fanden statt.
1946
wird Dr. Wolrad Rube Intendant. Er unterstand dem Generalintendanten der Brandenburgischen Landestheater Fritz Kirchhoff. Die Mehrzahl der Theateraufführungen fand jetzt in der Stadthalle in der Grabenstraße statt, weil die Bühne dort beträchtlich geräumiger war.
Zur Aufführung in der Spielzeit 1946/1947 kommen unter anderem die Stücke „Professor Mamlock“ von Friedrich Wolf, „Die russische Frage“ von Simonow und „Der Chirurg“ von Kornejschuk. Die erste Oper nach 1945 war in dieser Spielzeit Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“.
1947
Im Mai wird in Berlin der „Bund der Deutschen Volksbühne“ gegründet.
1948
übernimmt der aus Frankfurt/Oder kommende Curt Asmus-Bach die Intendanz der Städtischen Bühnen Brandenburg/Havel. Die Brandenburger Volkstheatertradition wird wieder aufgenommen. Die neue Volksbühnenbewegung gewinnt an Bedeutung.
Die Bevölkerung wurde in diesem Jahr aufgerufen, dem Theater Möbel und Kleidungsstücke zur Verfügung zu stellen, da der gesamte Fundus durch den Krieg verloren gegangen war und noch nicht ersetzt werden konnte. Eine andere „dringende Bitte der Intendanz“ wandte sich an die Freunde des Theaters zur Spende oder zum Verkauf von Nägeln aller Größen. Auch gebrauchtes Material war willkommen. Damit sollte die Befestigung der Bühnendekorationen gesichert werden.
Im September gründeten die Nachwuchsschauspieler der Städtischen Bühnen unter Leitung von Elfi Brundiers „Die Junge Bühne“, die 15 Veranstaltungen als Werktheater für Großbetriebe aufführte. Eine ihrer ersten Arbeiten war die Inszenierung von Brechts „Furcht und Elend des Dritten Reiches“.
1950
übernimmt Heinz Vogt die Intendanz der Städtischen Bühnen. Brandenburg wird zunehmend zu einem wichtigen Stahl- und Industriestandort der DDR.
1952
werden wesentliche Umbauarbeiten an der Stadthalle vorgenommen. Nach und nach soll sie das Gesicht eines Theaters erhalten. Beethovens „Fidelio“ lief in der Spielzeit 1951/1952 in 30 Vorstellungen.
Am 9. November wird die Festwoche der sowjetischen Dramatik in Brandenburg mit der deutschen Erstaufführung von Suchow-Kobylins „Kretschinskis Hochzeit“ eröffnet.
In der Spielzeit 1952/1953 waren ca. 50 Prozent der Besucher Mitglied der Volksbühne. Danach löste sich die Volksbühne auf, weil die neue Form der Betriebsanrechte, die direkte Verbindung von Theater und Betrieben, entstand.