
1953
konzentrierte sich die gesamte Theaterleitung auf die Städtischen Bühnen in der Grabenstraße 14. Ab jetzt führte das Unternehmen die Bezeichnung „Theater der Stadt Brandenburg/Havel“. Zum Ende der Spielzeit ordnete die deutsche Volkspolizei aus Sicherheitsgründen - die Herrichtung des Theaters war völlig unzulänglich - die Schließung des Theaters an. Die Stadt wollte allerdings auf ihr Theater nicht verzichten, weshalb dem Brandenburger Theater staatliche Mittel zum Umbau des Theaters zur Verfügung gestellt wurden. Alles in allem blieb es jedoch bei einer Behelfslösung.
Am 01. Dezember übernimmt der Verwaltungsdirektor und stellvertretende Generalintendant der Städtischen Theater Leipzig, Friedhelm Wolff, die Intendanz des Brandenburger Theaters. Während seiner Intendanz wurde das Theater der Stadt baulich wesentlich verändert, so dass es wenigstens annähernd den Arbeitsvoraussetzungen eines Theaters entsprach. Friedhelm Wolff wurde von staatlicher Seite beauftragt, ein Volkstheater im sozialistischen Sinne in der Industriestadt Brandenburg zu etablieren. Um dieser Aufgabe gerecht werden zu können, kam es zum Beginn der Spielzeit 1957/1958 zu wesentlichen Neuengagements für das Ensemble.
1957
Zum 140. Jahrestag des Bestehens des Brandenburger Theaters wurde im Herbst auf einer Festveranstaltung „Der kaukasische Kreidekreis“ von Bertolt Brecht gespielt.
1958-1966
leitete Intendant Franz Broesicke das Theater der Stadt Brandenburg. Er knüpfte bei der Gestaltung des Spielplans an seinen Vorgänger an und setzte sich für eine stärkere Verbindung mit den Betrieben ein. Die Folge war, dass in der Spielzeit 1965/1966 der Besuch des Theaters nachließ, und der Zuschauerraum durchschnittlich nur etwa zur Hälfte (genau 52,4 Prozent) besetzt war.
Natürlich gab es noch andere Gründe für den Rückgang der Besucherzahlen, z.B. die schnelle Verbreitung des Fernsehens. Intendant Albert Bußmann, der 1966 nach Brandenburg verpflichtet wurde, gelang es dennoch, die Besucherzahlen des Theaters zu erhöhen.
1967
war das Haus bereits im ersten Halbjahr mit durchschnittlich 63,3 Prozent besetzt. Weitere Erfolge stellten sich durch die Werbung für das Brandenburger Theater in den Betrieben der Stadt ein.
Von Zeit zu Zeit konnte der Spielplan durch Gastspiele anderer Bühnen, z.B. des Pantomimen-Theaters Bratislava oder des Hans-Otto-Theaters Potsdam, bereichert werden. Aus der Reihe der vielen Solisten, die in den Jahren bis 1967 in Brandenburg gastierten, ist besonders der weltbekannte Tenor Helge Rosvaenge hervorzuheben.
Auch die Bespielung der Freilichtbühne auf dem Marienberg wurde wieder aufgenommen.
Für die Jubiläumsspielzeit 1967/1968 hatte sich das Ensemble des Theaters viel vorgenommen und auch einige Neuerungen (z.B. Parkkonzerte) eingeführt. Nach der Jubiläumsfestwoche im Oktober 1967 wurde mit gleichem Elan die künstlerische Gestaltung der Vorstellungen fortgesetzt. So kam es zu weiteren Austauschvorstellungen mit dem Hans-Otto-Theater Potsdam, um die Spielpläne beider Städte zu bereichern und den Zuschauern Gelegenheit zu geben, Vergleiche zwischen den beiden Theatern des damaligen Bezirkes Potsdam anzustellen.
Das „Brandenburger Theater“, wie das Haus nunmehr seit dem 01. September 1967 hieß, hatte in der Jubiläumsspielzeit 1967/1968 beträchtlich an Popularität gewonnen.
1970
wird Gerhard Wruck Intendant des Theaters.
Das Orchester probte zu dieser Zeit in der „Jägerhalle“ in der Neuendorfer Straße, die später auch als Spielstätte für kleinere Theateraufführungen genutzt wurde.
Unter seiner Ägide wurden speziell Kinderopern, Kinderkonzerte und Schulkonzerte aufgeführt.
Sämtliche unter Wruck aufgeführten Opern und Operetten wurden ebenfalls 3 bis 5 mal pro Spielzeit in Rathenow gespielt. Regelmäßig waren Brandenburger Inszenierungen auch in Kyritz zu Gast.
In Brandenburg etablierte sich unter Wruck eine ständige Reihe von Parkkonzerten im Theaterpark.
1972
kommt in der Spielzeit 1972/1973 das Musical „Der Mann von La Mancha“ von Wasserman in Brandenburg und in Leipzig am selben Tag zur DDR-Erstaufführung.
1976-1986
Der 1976 neu ins Amt berufene Intendant Joachim Pollock gibt in den Folgejahren jungen Schauspielregisseuren wie Dieter Wardetzky, Herbert König, Frank Castorf (heute Intendant der Berliner Volksbühne) und Martin Meltke die Chance, sich zu profilieren. Es entstehen sowohl bedeutsame Inszenierungen als auch solche, deren ästhetische Programmatik mit der Erwartungshaltung der Zuschauer wie der politisch Verantwortlichen der Stadt kollidierten. Anfang der 80er Jahre leistete im Schauspiel Regisseur
Bernd Keßler Pionierarbeit mit der Erschließung solcher in Brandenburg fast unbekannten Autoren wie Garcia Lorca und Dario Fo. Daneben machten Publikumsrenner wie „Der Hauptmann von Köpenick“ und „Die Preußen kommen“ Furore. In der neu eingerichteten „Probebühne“ und im „Zimmertheater“ kommen experimentelle und politisch brisante Stücke zur Aufführung, die nicht selten aus dem Dialog mit dem Publikum ihre Wirkung beziehen, in der Theaterklause läuft die frivol-amourös-kabarettistische Reihe der „Nachtprogramme“. Im Musiktheater findet die brilliante Operninszenierung von Gounod's „Margarete“ die Zustimmung des Publikums, weniger die Versuche mit Uraufführungen zeitgenössischer Opern. Durch das Engagement des Chefdramaturgen Hans-D. Rössler wird die - noch heute andauernde - Zusammenarbeit mit den Schulen intensiviert. Theatertage der Schulen und Pädagogen waren Vorläufer der heute beliebten „Brandenburger Schultheatertage“.